Otoskop – Verschafft Einblicke an schlecht zugänglichen Stellen

Bedingt durch die Struktur der Ohrmuschel, sichtbehindernde Haare, Ohrenschmalz und die Enge des Gehörgangs ist für eine gründliche Untersuchung des Ohrinneren ein sogenanntes Otoskop erforderlich. Das Otoskop ist ein Gerät, mit welchem der Hals-Nasen-Ohrenarzt oder der Hörgeräteakustiker den äußeren Gehörgang und das Trommelfell betrachten und untersuchen kann. Dieser Vorgang nennt sich Otoskopie. Otoskope bestehen aus einem länglichen Griff, in welchem sich eine Batterie befindet, einer Lichtquelle und einem trichterförmigen, auswechselbaren Endstück, das sich aufgrund seiner Form gut in das Ohr einführen lässt. Die Trichter lassen sich auf das Otoskop aufstecken und sind beim Arzt bzw. Hörgeräteakustiker in verschiedenen Größen vorhanden. Sogenannte Video-Otoskope verfügen über eine eingebaute CCD-Kamera und senden die während der Untersuchung aufgenommenen Bilder direkt an einen Bildschirm bzw. Recorder. Mit der Video-Otoskopie ist aufgrund der möglichen Vergrößerungen eine noch genauere Untersuchung des Gehörgangs und des Trommelfells möglich.
Mit der Otoskopie können Erkrankungen oder Veränderungen des Trommelfells diagnostiziert und Fremdkörper oder Parasiten im Ohr entdeckt werden. Hörgeräteakustiker bedienen sich der Otoskopie, um die Strukturen des Ohrs zu erfassen und entsprechende Plastiken für die Fertigung von Hörgeraten zu schaffen.

Eine geniale Erfindung

Die Ohrenspiegel und Trichter, wie sie auf das Otoskop aufgesteckt werden, sind eine Erfindung aus dem 19. Jahrhundert. Bereits 1840 beschreibt ein Kreisarzt aus Burgsteinfurt einen solchen Ohrenspiegel. Als Erfinder der Ohrentrichter gilt ein französischer Arzt namens Bonnafont. Anton von Tröltsch, seines Zeichens Professor für Ohrenheilkunde an der Universität Würzburg, verhalf den Trichtern ab 1860 zu allgemeiner Bekanntheit. Heute gehört das Otoskop zur Standardausstattung einer HNO-Praxis. Bei Hörproblemen wird der HNO-Arzt als erstes eine Otoskopie durchführen. In den meisten Fällen nimmt der Arzt dann eine Ohrenreinigung vor, indem er den sogenannten Ohrenschmalz entfernen wird.

Was ist Ohrenschmalz und wie lässt sich Ohrenschmalz entfernen?

Ohrenschmalz kommt bei allen Säugetieren vor. Es ist eine Absonderung der Ohrenschmalzdrüsen im äußeren Gehörgang. Der medizinische Fachausdruck für Ohrenschmalz lautet Cerumen. Beim Menschen existieren zwei Varianten von Ohrenschmalz, die trockene und die feuchte Form. Die trockene Form hat einen hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren, während bei der feuchten Form die ungesättigten Fettsäuren überwiegen. Welche Art von Ohrenschmalz ein Mensch produziert, ist genetisch bedingt. In Europa und Afrika dominiert der feuchte Ohrenschmalz, während 80 bis 95 Prozent der Menschen in Ostasien einen trockenen, weißlichen Ohrenschmalz haben. Es handelt sich bei der feuchten Variante um eine gelb-bräunliche, leicht fettige und bittere Substanz, welche die Haut im Gehörgang befeuchtet und pflegt, indem sie abgestorbene Hautzellen oder Fremdkörper aus dem Ohr abtransportiert. Ohrenschmalz enthält Stoffe, die antibakteriell wirken und Insekten aufgrund des bitteren Geschmacks davon abhalten, ins Ohrinnere vorzudringen.

Heftiges und unsachgemäßes Ohren reinigen kann diese Schutzschicht aus Ohrenschmalz zerstören und im schlimmsten Fall zu starken Ohrenschmerzen führen. Die Ohrenreinigung bzw. das Ohrenschmalz entfernen sollte deswegen in gravierenden Fällen möglichst nicht selbst, sondern von einem HNO-Arzt vorgenommen werden, der sich mittels Otoskopie zuvor einen Überblick über den Zustand des Ohrs verschafft hat. Bei einer Überaktivität der Ohrenschmalzdrüsen kann der Gehörgang durch einen Ohrenschmalzpfropf komplett verschließen. In Folge dessen kommt es nicht selten zu Schwerhörigkeit, welche den Betroffenen in eine Arztpraxis führt. Mit Hilfe eines Ohrlöffels oder einem Absauger kann der Arzt den überschüssigen Ohrenschmalz entfernen, eventuell erfolgt die Ohrenreinigung auch mit einer Warmwasserspülung. In hartnäckigen Fällen greift der Arzt zu einer Wasserstoffperoxidlösung, um den Ohrenschmalz vor der Ausspülung zu erweichen.

Otoskope für den Privatgebrauch

Nicht nur für die HNO-Praxis, auch für den Privatanwender kann die Anschaffung eines Otoskops sinnvoll sein. Besonders Kinder haben öfters einmal Ohrenschmerzen. Das eigene Otoskop ist in diesem Fall ein nützliches Diagnoseinstrument. Ein Blick in den Gehörgang genügt, um festzustellen, ob ein Besuch beim Ohrenarzt notwendig ist. Bei Wölbungen und Rötungen des Trommelfells ist es auf jeden Fall angebracht, einen Arzt aufzusuchen. Zeigt die Otoskopie ein unauffälliges, silbrig glänzendes Trommelfell, kann man die Ohrenschmerzen zunächst mit Hausmitteln behandeln. Durch den Einsatz eines eigenen Otoskops kann praktischerweise vor einem Arztbesuch festgestellt werden, ob die Ohren mit einem Pfropf aus Ohrenschmalz verschlossen sind. Als erste Maßnahme ist in diesem Fall eine Spülung oder die Anwendung einer Ohrspritze empfehlenswert. Abgeraten wird von den Wattestäbchen, die den Ohrenschmalz schlimmstenfalls noch weiter ins Ohr hinein drücken und verhärten lassen. Sollten diese Maßnahmen nicht greifen, kann immer noch ein Arzt konsultiert werden.